
Medizinisches Cannabis auf Rezept
Seit der Gesetzesänderung im März 2017 ist es in Deutschland möglich, medizinisches Cannabis auf Rezept zu erhalten. Diese Entwicklung bietet Patientinnen und Patienten mit schwerwiegenden Erkrankungen eine zusätzliche Therapieoption. Doch welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um medizinisches Cannabis zu erhalten? Wie läuft der Prozess ab, und welche Änderungen gab es seitdem? Dieser umfassende Leitfaden liefert alle notwendigen Informationen zum Thema "Cannabis auf Rezept in Deutschland".
1. Voraussetzungen für die Verschreibung von medizinischem Cannabis
Medizinisches Cannabis kann verschrieben werden, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:
- Schwerwiegende Erkrankung: Die Patientin oder der Patient leidet an einer ernsthaften, lebensbedrohlichen Krankheit oder an einer Erkrankung, die die Lebensqualität dauerhaft beeinträchtigt.
- Ausschöpfung anderer Therapieoptionen: Bereits verfügbare Standardtherapien wurden eingesetzt, jedoch ohne ausreichenden Erfolg oder Verträglichkeit.
- Positive Wirkung zu erwarten: Es besteht Aussicht auf eine spürbare Verbesserung des Krankheitsverlaufs oder der Symptome.
2. Welche Ärztinnen und Ärzte dürfen Cannabis verschreiben?
Grundsätzlich können alle approbierten Ärztinnen und Ärzte in Deutschland medizinisches Cannabis verschreiben. Seit dem 17. Oktober 2024 benötigen bestimmte Fachärztinnen und Fachärzte keine Genehmigung der Krankenkasse mehr. Dazu gehören Fachärzte für Allgemeinmedizin, Anästhesiologie, Innere Medizin und Neurologie.
3. Genehmigungsverfahren durch die Krankenkasse
Vor der ersten Verordnung von medizinischem Cannabis musste bisher ein Antrag bei der Krankenkasse gestellt werden. Seit dem 17. Oktober 2024 entfällt diese Pflicht für bestimmte Fachärztinnen und Fachärzte. Diese können jedoch auf freiwilliger Basis eine Genehmigung bei der Krankenkasse beantragen, falls Unsicherheiten bestehen.
4. Formen von medizinischem Cannabis
Medizinisches Cannabis ist in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich:
- Getrocknete Blüten: Diese können mit einem Vaporizer inhaliert werden.
- Extrakte: Flüssige Zubereitungen zur oralen Einnahme.
- Fertigarzneimittel: Medikamente mit Dronabinol oder Nabilon als Wirkstoffe.
5. Kostenübernahme durch die Krankenkasse
Die gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten für medizinisches Cannabis, sofern die oben genannten Voraussetzungen erfüllt sind. Seit dem 17. Oktober 2024 ist bei bestimmten Fachärzten keine vorherige Genehmigung mehr notwendig. Es kann jedoch sinnvoll sein, vor der Therapie eine Kostenübernahme bei der Krankenkasse zu beantragen, um finanzielle Risiken zu vermeiden.
6. Änderungen seit April 2024
Seit dem 1. April 2024 unterliegt die Verordnung von Cannabisarzneimitteln nicht länger dem Betäubungsmittelgesetz. Ärztinnen und Ärzte können medizinisches Cannabis nun per elektronischem Rezept verordnen, wie andere Arzneimittel auch. Nur Nabilon muss weiterhin auf dem Betäubungsmittelrezept verordnet werden.
7. Apotheken und Bezug von medizinischem Cannabis
Medizinisches Cannabis kann in Apotheken bezogen werden. Jede Apotheke kann auf ärztliche Verordnung Cannabisrezepturen herstellen und abgeben. Es ist ratsam, vorab zu klären, ob die Apotheke Cannabisprodukte vorrätig hat oder bestellen kann.
8. Wichtige Hinweise für Patientinnen und Patienten
- Individuelle Beratung: Jede Patientin reagiert unterschiedlich auf medizinisches Cannabis. Eine individuelle Beratung durch die behandelnde Ärztin oder den Arzt ist daher notwendig.
- Dokumentation: Die Wirksamkeit der Behandlung muss in den ersten drei Monaten regelmäßig überprüft und dokumentiert werden.
- Verkehrstüchtigkeit: Der Konsum von medizinischem Cannabis kann die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Patienten sollten daher auf das Fahren von Fahrzeugen verzichten, solange die Wirkung anhält.
Fazit
Die Möglichkeit, medizinisches Cannabis auf Rezept zu erhalten, stellt für viele Patientinnen und Patienten eine wertvolle Therapieoption dar. Es ist jedoch wichtig, sich über die gesetzlichen Anforderungen und den Ablauf der Verschreibung zu informieren. Mit den jüngsten Änderungen im Jahr 2024 wurde der Zugang zu medizinischem Cannabis weiter erleichtert, was vielen Betroffenen zugutekommt.